Kümmel. Das assoziiert wohl jeder im ersten Moment mit Aquavit. Doch das Wasser des Lebens (lat. aqua vitae) ist viel mehr als das.
Wie beim Gin werden verschiedene Botanicals in Neutralalkohol, zumeist aus Kartoffeln, mazeriert, gebrannt und anschließend in Sherryfässern gereift. Die dominanten Geschmacksgeber sind Kümmel- und Dillsamen, aber auch (Stern-)Anis, Koriander, Fenchel, Nelken und Zimt können zum Einsatz kommen. Durch die Fassreifung erhält der Aquavit weitere Aromen wie Zitrusnoten, Nuancen von reifen Früchten oder Vanille.
Unterschiede
Aquavit hat seinen Ursprung im Nordeuropa des 16. Jahrhunderts. In Dänemark, Schweden und Norwegen stellt man die Spirituose nach unterschiedlichen, traditionellen Rezepturen her.
Dänischer Akvavit wird mit 3 – 6 Monaten verhältnismäßig kurz gereift und ist daher eher hell und etwas schärfer im Geschmack. Bei uns bekannte Vertreter sind Aalborg und die davon abstammende deutsche Marke Malteserkreuz.
Schwedischer Aquavit, wie z. B. der O. P. Anderson, besitzt eine starke, aber gut eingebundene Kümmelnote. Durch die längere Fassreifung ist er aber eher mild und daher gut geeignet für Aquavit-Einsteiger. Im Gegensatz zu den Vertretern aus Dänemark und Norwegen liegt den Produkten aus Schweden Getreidebrand zugrunde.
Norwegischer Aquavit wird mindesten 6 Monate gereift, ist daher ebenfalls sehr rund. Ein bekannter Aquavit aus Norwegen ist Linie, zu deutsch Äquator. Seinen Namen verdankt er der Reifung auf See, bei der die Ex-Sherryfässer zweimal eben diesen Äquator überqueren. Von Linie sind auch zwei Double-Cask-Varianten erhältlich, die in Madeira- bzw. Port-Fässern gefinished werden.
Cocktails
Unter den hierzulande erhältlichen Aquavits bevorzuge ich vor allem Linie bzw. Linie Double Cask Port für die folgenden, leckeren Cocktails. Wer möchte, kann aber auch einmal den Jubiläums Akvavit von Aalborg versuchen, dieser kommt ganz ohne Kümmel aus. Spannend!
Scandinavian Daiquiri
Diese frische, aber nordisch-herbstliche Daiquiri-Variante schmeckt mir am besten mit Linie Double Cask Port. Der im Portfass gereifte Aquavit bringt einen wunderbare Komplexität mit ins Glas.
→ zum Rezept für einen klassischen Daiquiri
- 6 cl Aquavit, am besten Linie Double Cask Port
- 2,25 cl Zuckersirup
- 3 cl Limettensaft
- Sternanis zum Garnieren
Alle Zutaten mit reichlich Eis schütteln und in ein vorgekühltes Coupette-Glas doppelt abseihen. Mit dem Sternanis garnieren. Ich verwende ein Glas aus der Spiritii-Serie von Leonardo.
Oslo Mai Tai
In meiner skandinavischen Interpretation des Mai Tai funktioniert der verwendete Aquavit wunderbar mit den Mandelaromen des Orgeat, den Orangennoten des Triple Sec und einem Schuss jamaikanischem Rum. Ein starker Drink zwischen Nordsee und Südsee.
→ zum Rezept für einen klassischen Mai Tai
- 4,5 cl Aquavit, z. B. Linie
- 1 cl jamaikanischer Rum, z. B. Smith & Cross Navy Strength
- 1,5 cl Triple Sec, am besten Pierre Ferrand Dry Curaçao
- 1,5 cl Orgeat, z. B. Monin Mandelsirup
- 3 cl Limettensaft
- Sternanis zum Garnieren
Alle Zutaten mit reichlich Eis schütteln und in ein vorgekühltes, mit zerstoßenem Eis gefülltes Double-Old-Fashioned-Glas oder einen Tikibecher doppelt abseihen. Mit Sternanis garnieren und mit Trinkhalm servieren.
Norwegian Negroni
Ein klassischer Negroni funktioniert wunderbar, wenn man den Gin durch Aquavit ersetzt. Als süßer Wermut kommt hier natürlich Carpano Antica Formula in in Frage. Wer noch etwas mehr Tiefgang möchte, sollte Martini Riserva Speciale Rubino in Betracht ziehen. Damit kommt dann auch der Aquavit noch etwas deutlicher hervor.
→ zu den Rezepten für einen klassischen Negroni
- 3 cl Aquavit, z. B. Linie
- 3 cl Campari
- 3 cl süßer Wermut, z. B. Martini Riserva Speciale Rubino
- Zitronenzeste
Alle Zutaten in einem vorgekühlten Double-Old-Fashioned-Glas mit reichlich Eis kaltrühren. Zitronenzeste über dem Drink auspressen, aber nicht mit ins Glas geben.
So mancher Aquavit ist pur ein wahrer Hochgenuss, eignet sich aber auch hervorragend, um Cocktails einen nordischen Twist zu verleihen.
Foto: André Körner
