Charles heißt eigentlich Karl Georg Schuhmann. Er ist eine Ikone der deutschen Bar-Szene und hat diese maßgeblich geprägt. Er ist Erfinder zahlreicher Cocktails, versorgt die Münchner in seinen Bars mit hervorragenden Drinks, war unter anderem Model für Hugo Boss, Baldessarini und Campari und veröffentlichte mehrere Bücher. Ein wahrer Tausendsassa.
Schumann’s Bars
Nach einigen turbulenten Lebenanbschnitten öffnet Schumann 1982 die Türen zu seiner ersten eigenen Bar in München, Schumann’s American Bar in der prestigeträchtigen Maximillianstraße. Das Lokal etabliert sich schnell zum Szenetreff. Künstler, Autoren und auch die Münchener High Society fühlten sich wie magisch angezogen.
Schumann’s Haupthaus ist mittlerweile an den Odeonsplatz gezogen. Weiterhin betreibt er Schumann’s Tagesbar in der Maffeistraße.
Schumann’s Bücher
Nach und nach mauserte sich Schuhmann auch zum erfolgreichen Buchautor. Klar, wer viel erlebt hat, hat viel zu erzählen. Bekanntheit erlangte er vor allem mit American Bar: The Artistry of Mixing Drinks. Das Buch im tiefroten Einband wird von vielen als Bibel der Barszene bezeichnet. Das Werk enthält hervorragende Rezepte, interessante Informationen über Bars und Barkeeper und dazu die Geschichte hinter alledem. Mit diesem über 300.000 Mal verkauften Werk setzte er neue Maßstäbe in der Cocktail-Literatur.
Schumann’s Gläser
Schumann schuf mehrere Gläser-Serien in Zusammenarbeit mit Villeroy & Boch und Zwiesel. Schlicht, aber ästhetisch gehalten, harmonieren die Gläser perfekt mit seiner Art, Drinks zu mixen. Genau, wie er es sich vorgestellt hatte.
Doch was wäre ein echter Barprofi mit den richtigen selbst entworfenen Gläsern ohne Signature-Drinks?
Schumann’s Cocktails
Seine Cocktails sind jedem kundigen Barkeeper ein Begriff. Wer erinnert sich nicht an den sahnig-süßen, mittlerweile etwas aus der Mode gekommenen Swimming Pool? Zu meinen absoluten Favoriten zählt allerdings seine Rum-Trilogie: Leichtmatrose, Schwermatrose und den mit äußerster Vorsicht zu genießenden Tiefseetaucher.
Leichtmatrose
Entwickelt wurde der Drink 1986, er stellt den Beginn der nautischen Rum-Trilogie dar. Mit nur zwei verwendeten Spirituosen ist er der »harmloseste« aus der Reihe.
- 2 cl weißer Rum, z. B. Mount Gay Eclipse Silver
- 3 cl dunkler Rum, z. B. Brugal Añejo
- 2 cl Limettensaft
- 2 cl Lime Juice Cordial, z. B. Rose‘s
- 1 cl Zuckersirup
Alle Zutaten mit viel Eis schütteln, in ein vorgekühltes, mit zerstoßenem Eis gefülltes Double-Old-Fashioned-Glas doppelt abseihen. Eine Limettenspalte über dem Drink auspressen und mit ins Glas geben.
Schwermatrose
Dieser Cocktail stammt aus dem Jahre 1983 und bildet den Mittelteil der Trilogie. Er ist schon deutlich kräftiger als der Leichtmatrose, Overproof-Rum kommt nun mit in den Shaker. Der Einsatz von Tia Maria sorgt zusätzlich für Tiefgang.
- 2 cl weißer Rum, z. B. Banks 5 Island Blend
- 4 cl brauner Rum, z. B. Appleton Signature Blend
- 4 cl Overproof Rum, z. B. von Wray & Nephew
- 1 cl Tia Maria
- 2 cl Limettensaft
- 4 cl Lime Juice Cordial, z. B. Rose‘s
Alle Zutaten mit viel Eis schütteln, in ein vorgekühltes, mit zerstoßenem Eis gefülltes Double-Old-Fashioned-Glas doppelt abseihen. Eine Limettenspalte über dem Drink auspressen und mit ins Glas geben.
Tiefseetaucher
Der ungemein starke Abschluss der Trilogie macht seinem Namen alle Ehre. Der 1984 entstandene Drink enthält mächtig viel Rum und wird oft unterschätzt. Mein Tipp: Langsam trinken und spätestens aufhören, wenn man vom Stuhl gerutscht ist.
- 2 cl weißer Rum, z. B. Banks 5 Island Blend
- 6 cl brauner Rum, z. B. Brugal Añejo
- 6 cl Overproof Rum, z. B. von Wray & Nephew
- 2 cl Cointreau
- 1 – 2 Barlöffel Puderzucker
- 1 cl Limettensirup
- 4 cl Limettensaft
Alle Zutaten mit viel Eis schütteln, in ein vorgekühltes, mit zerstoßenem Eis gefülltes Double-Old-Fashioned-Glas doppelt abseihen. Eine Limettenspalte über dem Drink auspressen und mit ins Glas geben.
Viele weitere, spannende Cocktails entspringen dem immer noch kreativen Kopf des mittlerweile 76-jährigen. Wer in München wohnt oder dort zu Besuch ist, sollte einen Abstecher in eine von Schumann’s Bars wagen.
Foto von Charles Schumann: Marco Schmidt-Polex
