Back to the roots: Eversbusch Doppelwachholder

Gins gibt es wie Sand am Meer, gefühlt jeden Tag taucht ein neu­er auf. Und so grei­fen die mitt­ler­wei­le unzäh­li­gen Her­stel­ler zu immer neu­en Bota­ni­cals, um ein ein­zig­ar­ti­ges Pro­dukt anbie­ten zu kön­nen. Doch wo ande­re mit immer aus­ge­fal­le­ne­ren Ideen zu punk­ten ver­su­chen, setzt das west­fä­li­sche Fami­li­en­un­ter­neh­men Evers­busch seit 1817 sein Haupt­au­gen­merk auf die Basis eines jeden Gins, den Wachol­der. Doppelwachholder.

Eversbusch Doppelwachholder

Das Haupt­pro­dukt von Evers­busch, der Dop­pel­wach­hol­der, ist ein klas­si­scher Wachol­der­brand. Ich war über­rascht, wie aus­ge­wo­gen und viel­schich­tig der Geschmack ist, obwohl hier kei­ne klas­si­schen Gin-Bota­ni­cals Ver­wen­dung finden.

Pur getrun­ken fin­den sich neben den zu erwar­ten­den kräf­ti­gen Wachol­der­aro­men auch erdig-mal­zi­ge Nuan­cen dar­in. Trotz des rela­tiv hohen Alko­hol­ge­hal­tes von 46 Volu­men­pro­zent schmeckt er weich und wirkt zu kei­nem Zeit­punkt sprit­tig. Mit dem rich­ti­gen Tonic gar steht er einem Gin in kaum etwas nach. Doch dazu spä­ter mehr.

Die Brennerei Eversbusch

Das 1780 gegrün­de­te Unter­neh­men fer­tigt sei­ne Spi­ri­tuo­sen seit über 200 Jah­ren am sel­ben Stand­ort in Hagen-Has­pe. Auch sei­nem Wachol­der­lie­fe­rant hält die Fami­lie Evers­busch schon lan­ge die Treue. Bes­te Vor­aus­set­zun­gen also für Erzeug­nis­se mit bestän­dig guter Qualität.

Neben dem klas­si­schen Dop­pel­wach­hol­der in Ton­krü­gen mit 0,2 bis 2 Litern Füll­vo­lu­men ver­treibt Evers­busch auch seit dem 200-jäh­ri­gen Stand­ort­ju­bi­lä­um 2017 eine Son­der­edi­ti­on, den »1817«. Er bringt sat­te 56 Volu­men­pro­zent ins Ton­ge­fäß und wird mit noch inten­si­ve­rem Wachol­der­aro­ma bewor­ben. Lei­der konn­te ich die­sen noch nicht pro­bie­ren. Wer sich also dafür inter­es­siert, ist herz­lich ein­ge­la­den, im Evers­busch-Online­shop einen Krug zu bestel­len und mir von sei­nen Erfah­run­gen zu berichten.

Wei­te­re Pro­duk­te des Unter­neh­mens sind unter ande­rem ein Korn-Aniset­te, ein Wer­mut-Cock­tail und mit Dop­pel­wach­hol­der gefüll­te Schokoladenkugeln.

Wer sich im Übri­gen die gan­ze Zeit wun­dert: Das zwei­te »h« in Dop­pel­wach­hol­der ist kein Tipp­feh­ler, son­dern ein­fach ein Relikt aus den Anfangs­ta­gen der Bren­ne­rei, das jeg­li­che Recht­schreib­re­form über­lebt hat.

Passende Tonics

Auch wenn der Dop­pel­wach­hol­der kein Gin im eigent­li­chen Sinn ist, las­sen sich damit den­noch her­vor­ra­gen­de Gin&Tonics mischen, in denen es selbst anspruchs­vol­len Genie­ßern nicht an Fines­se feh­len wird. Die Abwe­sen­heit von Zitrus­no­ten fällt auf, lässt sich aber leicht mit einer über dem Glas aus­ge­press­ten Zitro­nen­zes­te behe­ben. Nach­fol­gend nun drei Tonic-Empfehlungen.

Thomas Henry Tonic Water

Der All­roun­der fügt sich mit sei­nem kräf­tig Aro­ma gut in den Wachol­der­ge­schmack ein, ohne unter­zu­ge­hen. Ein guter Drink für jeden Tag.

Fentiman’s Premium Indian Tonic Water

Die inten­si­ven Zitrus­tö­ne des Tonics har­mo­nie­ren sehr gut mit Evers­busch Dop­pel­wach­hol­der, der Geschmack wird ins­ge­samt sehr rund. Hier kann man auch getrost auf eine Zitruszes­te ver­zich­ten. Die­se Kom­bi­na­ti­on ist der mit Tho­mas Hen­ry leicht überlegen.

Fever-Tree Indian Tonic Water

Auch wenn ich mitt­ler­wei­le etwas von mei­ner Mei­nung von Fever-Tree als immer pas­sen­dem Stan­dard-Tonic abge­rückt bin: Hier funk­tio­niert es per­fekt. In Kom­bi­na­ti­on mit Dop­pel­wach­hol­der kann man die flo­ra­len Noten und Zitrus­aro­men des Tonics ziem­lich unge­fil­tert erle­ben. Ein span­nen­des Erleb­nis, zudem mei­ne abso­lu­te Emp­feh­lung! Wie mit Tho­mas Hen­ry emp­fiehlt sich auch hier eine Zitronenzeste!

Cocktails mit Doppelwachholder

Auf der Web­site von Evers­busch fin­den sich eini­ge mit viel Lie­be aus­ge­ar­bei­te­te Cock­tail­re­zep­te. Stell­ver­tre­tend sei hier eines erwähnt, das ich beson­ders gelun­gen finde.

Cocktail de Genièvre et de Sureau

Hin­ter dem etwas umständ­li­chen Namen (über­setzt Wachol­der- und Holun­der-Cock­tail) ver­birgt sich eine Gim­let-Vari­an­te. Die­ser Drink ver­bin­det den kräf­ti­gen Wachol­der­ge­schmack mit der Fri­sche und Wür­ze von Lime Juice Cor­di­al und den üppi­gen Aro­men von St. Ger­main, einem Holunderblütenlikör.

Ent­ge­gen dem Rezept von Peter Evers­busch habe ich den Dop­pel­wach­hol­der­an­teil etwas erhöht und rüh­re den Drink, anstatt ihn zu schütteln.

  • 5 cl Evers­busch Doppelwachholder
  • 3 cl Lime Juice Cor­di­al, z. B. Rose’s
  • 2,5 cl St. Germain

Alle Zuta­ten mit viel Eis kalt­rüh­ren und in ein vor­ge­kühl­tes Cou­pet­te-Glas abseihen.

 

Wer den Dop­pel­wach­hol­der noch nicht kennt, soll­te ihn unbe­dingt pro­bie­ren. So fre­ne­tisch das klingt: Mich hat er wirk­lich posi­tiv überrascht. 

Und bestellt euch gleich die Scho­ko­ku­geln mit!

 

 


Evers­busch Dop­pel­wach­hol­der wur­de mir freund­li­cher­wei­se von Peter Evers­busch zur Ver­fü­gung gestellt. Mein Geschmacks­sinn wur­de dadurch jedoch nicht beeinflusst.


Foto: André Kör­ner & Made­lei­ne Schreck

André Körner

Seit 2016 beschäftige ich mich intensiv mit hochwertigen Spirituosen und deren Verwendung in Cocktails und Drinks aller Art. Ich sammle, teste und optimiere Cocktailrezepte und habe The Shark Creek Magazine gegründet, um andere daran teilhaben zu lassen.

6 Antworten auf »Back to the roots: Eversbusch Doppelwachholder«

  1. Hal­lo André,
    Die Wach­hol­der von Evers­busch fin­de ich auch groß­ar­tig und konn­te damit auch schon den einen oder ande­ren Gin­trin­ker „anfi­xen“. Per­sön­lich bin ich eher der Pur­trin­ker und gera­de da ist der Dop­pel­wach­hol­der beein­dru­ckend. Seit ich die Evers­busch-Pro­duk­te auf der „Craft­spi­rits“ ver­kos­ten durf­te, habe ich immer min. einen Wach­hol­der in der Bar ste­hen. Mitt­ler­wei­le auch ger­ne den Wermuth-Cocktail.
    Mich über­zeugt die Qua­li­tät der Spi­rits. Peter Evers­busch weiß ein­fach was er tut. Abso­lu­te Empfehlung.
    VG Stephan

    1. Da hast du Recht! Hat­te nicht erwar­tet, dass er so ange­nehm pur zu trin­ken ist. Ist für mich der Beweis, dass man auch als moder­ner, ver­wöhn­ter Gin-Trin­ker open-min­ded blei­ben sollte.

      Bes­te Grü­ße, André

  2. Habe den Dop­pel­wa­chol­der seit etwa einem Jahr in Gebrauch.…dann den 1817er verköstigt.…das ist dann der Ober­knal­ler!!! Mitt­ler­wei­le mein abso­lu­ter Favo­rit wenn ich Mule mache !!! 8cl Dop­pel­wa­chol­der 1817, 200ml Gold­berg Gin­ger Intens, einen Min­ze­zweig und eine Schei­be Limet­te auf viel Eis… unschlagbar 😊

  3. Ein durch und durch tol­les, stim­mi­ges, rea­les, ech­tes Pro­dukt, ich freue mich, daß Du mit­ten im Gin-Wahn über the real stuff schreibst. In Zei­ten, in denen rela­tiv ein­fa­che Twists wie Gin Basil Smash und Old Cuban den »Erfin­dern« Ruhm und Ehre brin­gen, möch­te ich (ohne Weh­mut) anmer­ken: Das Rezept ist von mir, der Drink heißt »Châ­teau d’If« (im Ori­gi­nal mit Cita­del­le Gin, 3 Tr. TBT Grape­fruit Bit­ters und Grape­fruit­zes­te). Ich habe es Peter Evers­busch zur Ver­fü­gung gestellt und ihm die Namens­ge­bung frei­ge­stellt, kein Urhe­ber­tum ange­mel­det oder sonst etwas. Inso­fern alles bes­tens. Der Drink muss gerührt wer­den und die 5cl Dop­pel­wach­hol­der sind auch stim­mig. Zum Wohl und herz­li­che Grü­ße aus der BAR in Stutt­gart, Ralf

    1. Hal­lo Ralf!
      Den wer­de ich dann so auch mal pro­bie­ren, klingt spannend!

      Bes­te Grü­ße aus dem Spes­sart, André

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert