Der spritzige Weinaperitif aus Frankreich hat bereits eine lange Tradition. Die Original-Rezeptur von 1887, damals unter dem Namen Kina Lillet bekannt, war etwas schwerer und bitterer als jene, die wir heute kennen.
1987 wurde dann in Zusammenarbeit mit dem önologischen Institut Bordeaux beschlossen, den Geschmack zeitgenössischer zu gestalten. So wurde aus dem schweren, bitteren Kina Lillet der leichte, fruchtige Lillet.
Die Basis des Aperitifs bildet Bordeaux-Wein, der mit Fruchtlikören veredelt wird. Er ist mit seinem niedrigen Alkoholgehalt von 17 Volumenprozent eher filigran und eignet sich somit perfekt für die sonnigen Tage im Jahr.
Der unverwechselbar frische und runde Geschmack wird durch Mazeration mit verschiedenen Zitrusfrüchten aus aller Welt, Chinarinde und die anschließende Lagerung in Eichenfässern erzielt.
Lillet im Vesper Cocktail
Nach dem traditionellen Kina Lillet wird auch in einer Vesper verlangt. Durch die Überarbeitung der Rezeptur jedoch ist Lillet nicht mehr die passende Zutat für diesen Drink. Findige Barkeeper haben aber mittlerweile eine Lösung gefunden. Der Aperitif Cocchi Americano gilt weltweit als geeignetes Substitut für Kina Lillet.
Varianten
Es wird einige überraschen, dass Lillet in vier Varianten erhältlich ist.
- Blanc: bernsteinfarben mit Aromen von Honig, Orangen, Kiefernharz und exotischen Früchten
- Rosé: ein zart rosafarbener Ton mit Aromen von roten Früchten, Orangenblüten und Grapefruit
- Rouge: rubinrot mit Aromen von Orangen, roten Früchten, Vanille und Gewürzen
- Grand Réserve: goldgelb mit fruchtig, zitronigen Aromen, Aprikosen und Honig
Auf dem deutschen Markt haben sich jedoch nur die ersten beiden, Blanc und Rosé, wirklich durchsetzen können. Lillet Rouge und die auf deutschlandweit 2.000 Flaschen limitierte Grand Réserve findet man nur im äußerst gut sortierten Spirituosenhandel.
Egal ob pur, als Longdrink oder als Cocktailzutat, Lillet zeigt sich vielschichtig. Hier sind drei meiner Lieblingsrezepte.
Lillet Wild Berry
Der wohl bekannteste Longdrink mit Lillet schaffte es sogar als Rezeptvorschlag auf beide Flaschen der Zutaten. Der süße Aperitif harmoniert nämlich perfekt mit den beerigen, herben Noten von Schweppes Russian Wild Berry. Das macht den Drink zu einem erfrischenden Erlebnis, das definitiv Lust auf ein zweites Glas davon macht. Oder ein Drittes.
- 5 cl Lillet Blanc
- 10 cl Schweppes Russian Wild Berry
Lillet in ein Ballon- oder Weinglas mit Eis geben, mit Wild Berry auffüllen. Wer möchte, kann den Drink noch mit Beeren, z. B. gefroren, dekorieren.
Golden Lillet Martini
Dieser Cocktail mit Rum und Limoncello beweist die Vielseitigkeit von Lillet.
Das komplexe Zusammenspiel von würzigen, sauren und süß-fruchtigen Aromatiken entkräftet das Klischee des reinen Mädchengetränks.
- 6 cl dunkler Rum, z. B. Plantation XO
- 4,5 cl Lillet Blanc
- 0,75 cl Limoncello
Zutaten mit viel Eis verrühren und in ein gekühltes Martini-Glas geben. Zitronenzeste über dem Drink auspressen und hineingeben.
Violillet
Wer wie ich ein Fan von Longdrinks mit wenigen Zutaten ist, aber dennoch nicht auf ein anspruchsvolles Geschmackserlebnis verzichten möchte, für den ist meine Eigenkreation Violillet die perfekte Lösung.
Lillet funktioniert perfekt mit herberen Fillern, das durften wir ja bereits feststellen. Doch nun gesellt sich noch etwas ganz besonderes zum bekannten Dreamteam: Créme de Violette, ein Veilchenlikör mit unverwechselbar floralen Aromen und einer wunderbar violetten Farbe. Die eleganten Nuancen des Likörs fügen sich optimal ein, ohne den Drink zu süß wirken zu lassen. Die tolle Färbung macht ihn zum echten Hingucker.
- 6 cl Lillet Blanc
- 3 cl Crème de Violette, am liebsten Violet Liquer von The Bitter Truth
- 6 cl Tonic Water, z. B. Thomas Henry
Lillet und Crème de Violette in ein mit Eis gefülltes Ballonglas geben, kurz verrühren und mit Tonic Water auffüllen. Orangenzeste über dem Drink auspressen und mit in das Glas geben.
Lillet ist perfekt geeignet, um einen sonnigen Tag entspannt ausklingen zu lassen. Er wird nie langweilig und hat Hugo und Aperol Spritz längst die Show gestohlen.
Foto: Nicolai Brunn
