Er ist ist einer der bekanntesten und wohl geschichtsträchtigsten Drinks der Welt, und man könnte ihn sicher als den König der Cocktails bezeichnen. Die Rede ist vom Martini.
Der Martini zählt zu den Aperitifs und ist traditionell trocken bis sehr trocken, da er völlig ohne Säfte und Sirups daherkommt. Klassisch besteht er ausschließlich aus Gin und trockenem Wermut.
Der Martini ist so ikonisch, dass sogar ein Glas nach ihm benannt wurde. Das unverkennbare Trinkgefäß in Y‑Form gilt bis heute als Symbol für die Cocktail- und Barkultur.
Wie bei den meisten Drinks seines Formates basieren die Geschichten um seine Entstehung eher auf Vermutungen als auf Fakten. Einige gehen auf Martini di Arma di Taggia zurück, einen New Yorker Barkeeper, der den Cocktail Anfang des 20. Jahrunderts erfunden haben soll. Andere wiederum behaupten, Jerry Thomas sei mit seinem Martinez Cocktail der eigentliche Erfinder des Martinis, wobei das Rezept im Grunde ein gänzlich anderes ist.
Doch worauf kommt es bei einem guten Martini wirklich an?
→ direkt zu drei hervorragenden Rezepten
Der Gin
Für den Gin gilt vor allem eines: Er muss euch schmecken! Da er den größten Anteil im Cocktail ausmacht, sollte es ein Gin sein, der euch auch pur zusagt.
Natürlich gibt es auch einen Vodka-Martini, den ich aber eher seelenlos finde.
Der Wermut
Den richtigen trockenen Wermut zu finden, ist ungleich schwieriger. Gefällige Varianten für den Anfang sind auf jeden Fall Martini Riserva Speciale Ambrato und Nordesía Vermú, aber auch mit Noilly Prat Dry erhält man ein recht schmackhaftes Ergebnis. Letzterer ist außerdem beinahe überall erhältlich.
Ein etwas komplexerer Wermut ist der Belsazar Dry, hier wurde der ein oder andere Obstbrand mitverarbeitet. Dies sorgt für zusätzliche fruchtige Noten von Steinfrüchten.
Abraten muss ich euch von günstigen Produkten wie Martini Bianco und Cinzano Bianco, damit tut ihr euch keinen Gefallen und spart am Ende nichts.
Es existieren übrigens auch Medium- und Sweet-Varianten des Martini-Cocktails. Hier wird der trockene Wermut zum Teil oder ganz mit süßem ersetzt.
Die Garnierung
Traditionell wird der Martini mit einer Olive oder Zitronenzeste garniert. Das mit der Olive habe ich bis heute nicht ganz verstanden, außer natürlich in einem Dirty Martini, der zusätzlich noch Olivenlake enthält.
Zitrone hingegen macht den Drink frischer, er wirkt leichter. Gleichzeitig hebt die Zeste die Zitrusnoten hervor, die sich in den meisten Gins finden.
Mein Tipp: Die Zeste über dem Drink auspressen und den Glasrand und ‑stiel damit abreiben. Beim Trinken übertragen sich die Zitrus-Öle auf die Finger und sorgen so für einen weiteren Aha-Effekt.
Orange Bitters?
In so manchem Rezept finden sich Orange Bitters, die dem Drink weitere Komplexität verleihen sollen. Bei der heutigen Gin- und Wermutauswahl ist das aber in meinen Augen überflüssig. Wenn ihr es aber dennoch versuchen möchtet, achtet auf entsprechend hochwertige Orange Bitters, z. B. von Angostura.
Geschüttelt oder gerührt?
Grundsätzlich sollten Cocktails, die keine eintrübenden Zutaten wie Säfte oder Sahne beinhalten, gerührt werden. Das sorgt, neben der besseren Kontrolle der Schmelzwassermenge, für einen klaren Drink und eine glattere Textur. Probiert es ruhig einmal aus!
Drei hervorragende Rezepte
Um euch die Spirituosenauswahl für den Anfang zu erleichtern, habe ich euch meine Lieblingsrezepte zusammengestellt.
Der Klassische
Diese simple, aber leckere Variante ist mein absoluter Favorit. Death’s Door Gin bringt neben den traditionellen Wacholder- und Korianderaromen im Grunde nur etwas Fenchel mit in den Drink. Martini Riserva Speciale Ambrato liefert klassische Wermut-Noten, aber ohne die minderqualitativ anmutende, unausgewogene Art von Martini Bianco. Ein wahnsinnig runder, klassischer Martini.
- 6 cl Death’s Door Gin
- 1 – 1,5 cl Martini Riserva Speciale Ambrato
- Zitronenzeste
Gin und Wermut mit reichlich Eis kaltrühren und in ein vorgekühltes Martiniglas abseihen. Zitronenzeste über dem Drink auspressen, Rand und Stiel des Glases damit abreiben und mit in den Drink geben.
Der Fruchtige
Dieser Drink war mein erfolgreicher Einstieg in die Welt des Martinis. Die Zitrusnoten des Tanqueray Rangpur harmonieren wunderbar mit den komplexen, weichen Fruchtaromen von Belsazar Dry. Ein leicht zu trinkender Cocktail, in dem es viel zu entdecken gibt.
- 6 cl Tanqueray Rangpur
- 1 – 1,5 cl Belsazar Dry
- Zitronenzeste
Gin und Wermut mit reichlich Eis kaltrühren und in ein vorgekühltes Martiniglas abseihen. Zitronenzeste über dem Drink auspressen, Rand und Stiel des Glases damit abreiben und mit in den Drink geben.
Der Extravagante
Snow White Gin aus dem Spessart liefert hier milde Apfel- und Nadelnoten, mein derzeitiger Lieblings-Wermut Nordsía bringt dem Drink Volumen und reichlich Komplexität. Ein toller Herbst-Martini mit Format, bei dem die Zitronenzeste gerne weggelassen oder durch einen Apfelschnitz ersetzt werden darf.
- 6 cl Snow White Gin
- 1 – 1,5 cl Nordesía Vermú
- Apfelschnitz
Gin und Wermut mit reichlich Eis kaltrühren und in ein vorgekühltes Martiniglas abseihen. Falls gewünscht Apfelschnitz an den Glasrand garnieren.
Last but not least: The Vesper
Eine hochinteressante Martini-Abwandlung ist die Vesper. Da der Cocktail recht komplex ist, habe ich ihm einen eigenen Artikel gewidmet.
Der Martini ist eine Wissenschaft für sich. Trotz der kurzen Zutatenliste ist das Variationspotential bei diesem Cocktail beinahe unbegrenzt. Probiert es aus, dann findet auch ihr bald die für euch perfekte Kombination!
Foto: André Körner
